Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Fußball ohne Tennis & alljemeinet Rumschäkern

Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon NeoGelb_Freund » 28.08.10 12:17

Das, was in dieser Saison Italien mit der "Tessera del Tifoso" durchgesetzt wurde, könnte deutschen Fußballfans auch bald blühen. In anderen europäischen Ländern geht die Kontrolle von (organisierten) Fanstrukturen ebenfalls recht weit. Überwachung und Reppresion sind das Ziel der Verbände, Vereine und vor allem der Sicherheitsbehörden. Damit das komerzielle Produkt "Fußball" sauber, medienwirksam und teuer verkauf werden kann.

B.A.F.F. und weitere Organisationen rufen deshalb für den 09. Oktober 2010 zu einer Demonstration "Zum Erhalt der Fankultur" in Berlin auf.

Treffpunkt ist 13.00 an der Weltzeituhr am Alexanderplatz.
Die Eröffnungskundgebung startet 14.00 Uhr!


Jeder, der sich etwas regelmäßiger mit Fußball in Deutschland auseinandersetzt, wird in der letzten Saison zahlreiche Horrormeldungen aus den Medien vernommen haben, die von einer Eskalation in den Fanszenen berichteten. Zeitweilig schienen sich die Schlagzeilen zu überschlagen. Und während die halbe Nation über die Vorfälle von Bochum (Nürnbergfans durch Pyrotechnik verletzt), Berlin (Platzsturm) oder anderswo debattierte, meldeten viele Fanszenen Stadionverbotswellen: Nürnberg, Erna, München, Hamburg, Köln, Hannover, Bielefeld und einige mehr. Es gab Strafen, die bislang im deutschen Profifußball ein Novum darstellten: Verbote von Auswärtsfahrten (Nürnberg, Köln, Rostock, Dresden) oder die Schließung einer Heimkurve (Erna, Bochum). Für das Vergehen einiger weniger wurden ganze Fanszenen bestraft. Vermehrt wurden Einschränkungen für Fans diskutiert und teilweise umgesetzt: personalisierte Tickets, Verbote von Fanutensilien und Choreographien, Verbote eigener Fanzines und so weiter. Dies alles sind Strafen, die kein Konzept der Prävention für künftige Zwischenfälle vorweisen und die in der großen Mehrheit völlig unbeteiligte, friedliche Fußballfans treffen.

Wie sahen die Reaktionen der Fangruppen aus? Wenn überhaupt, dann gab es kleinere Aktionen (z.B. in Form von Spruchbändern) in den einzelnen Kurven selbst. Aber passierte irgendetwas von mehreren Kurven zusammen? Eine tatsächliche Fangruppenübergreifende Aktion, die öffentlich antwortet, Vorwürfe kommentiert und evtl. richtig stellt, die zeigt was Fankultur neben einigen Negativschlagzeilen in der Regel Positives ausmacht, so etwas hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Daher ist nun, nach dem Chaos der letzten Saison und dem abgeklungenen Fußballboom der WM, die Zeit gekommen am Anfang der neuen Saison 2010/2011 auf die Straße zu gehen und zu zeigen, was uns Fankultur bedeutet und wert ist.


Der ganze Aufruf ist hier.
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon Doughnut Boy Andy » 28.08.10 15:51

Wer sich daneben benimmt, wird von der Demo ausgeschlossen.


Says it all really..
Doughnut Boy Andy
 

Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon Diego Armando Eigenrauch » 28.08.10 16:20

Ob die Typen vom Karneval auch dort mitdemonstrieren? :shock:
Diego Armando Eigenrauch
 

Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon Endi » 28.08.10 20:19

Doughnut Boy Andy hat geschrieben:
Wer sich daneben benimmt, wird von der Demo ausgeschlossen.


Says it all really..


was sagt das denn?
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon Doughnut Boy Andy » 28.08.10 21:11

Wie du dir vorstellen kannst finde Ich allgemein den Aufruf völlig bescheuert, aber vielleicht mehr dazu irgendwann. Aber zum letzten Satz... Der Aufruf behauptet dass Fussballfans eigentlich ganz liebe und friedliche Menschen seien und dass die Sanktionen gegen sie übertrieben und unnötig sind. Mit dem letzten Satz geben aber die OrganisatorInnen den Eindruck, dass sie selber den Fans gutes Benehmen nicht zutrauen und drohen im Voraus schon mit Sanktionen. Peinlich!
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon mr. bungle » 29.08.10 05:42

Diego Armando Eigenrauch hat geschrieben:Ob die Typen vom Karneval auch dort mitdemonstrieren? :shock:


Da kannste een druff lassen... Aber keine Sorge, die HB haben in ihrer tollen PM ja erklärt, dass Überfälle und Transpis ruppen zu Fußballspielen natürlich dazu gehören, aber auf Demos nix zu suchen haben. ;)

Jedenfalls werden zu der Veranstaltung Fanbusse aus der ganzen Republik anrollen und Gruppierungen jeglicher Coleur werden mitlaufen. Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Opfer von Polizeiwillkür...

Der Aufruf behauptet dass Fussballfans eigentlich ganz liebe und friedliche Menschen seien und dass die Sanktionen gegen sie übertrieben und unnötig sind.


Sehe nicht, dass der Aufruf ersteres behauptet. Die Verhältnismäßigkeit von Sanktionen in Frage zu stellen ist absolut legitim. Und impliziert ja eigentlich auch das Eingeständnis, dass es "problematisches" Verhalten gibt. Gleiches gilt für die demonstrative Ankündigung einer Selbstregulierung, die durchaus Sinn macht.

Vieles am Aufruf finde ich auch suboptimal. Und eine kategorische Ablehnung von SVs beispielsweise würde ich nicht unterschreiben. Gibt da durchaus Fälle, in denen das Sinn macht.
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon jimmyconnors » 29.08.10 07:55

den typo "unterstützter" finde ich lustig
ich glaube ich brauche dir nichts erklären was ultra heißt ich gehe schon zum fussball da warst du noch auf der seerose
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon NeoGelb_Freund » 29.08.10 10:43

Doughnut Boy Andy hat geschrieben:Der Aufruf behauptet dass Fussballfans eigentlich ganz liebe und friedliche Menschen seien und dass die Sanktionen gegen sie übertrieben und unnötig sind. Mit dem letzten Satz geben aber die OrganisatorInnen den Eindruck, dass sie selber den Fans gutes Benehmen nicht zutrauen und drohen im Voraus schon mit Sanktionen. Peinlich!


Wo genau behauptet der Aufruf, daß Fans unproblematisch sind. Nirgends? Hinterfragt werden lediglich die 'Maßnahmen' von Vereinen (siehe SV Babelsberg beim Regionalligaspiel), Sicherheitsbehörden und Diensten. Der Absatz zu den Stadionverboten ist nicht durchgehend gut und verschleiert die eigene Gewalt, aber das es sie gibt wird auch durchaus selbstkritisch reflektiert ("ein von Fans und Polizei gleichermaßen gepflegter gewalttätiger oder pseudo-gewalttätiger Habitus"). Allerdings wird sich sofort auf die Provokation durch Sicherheitskräfte zurück gezogen.

Ein generelles Ablehnen von Stadionverboten kann ich ebenfalls nicht entdecken. Es wird sich um eine eindeutige Formulierugn herumgeschummelt. Obwohl die Tendenz eher zur Ablehnung geht. Stadionverbote werden eher in ihrem Entstehen kritisiert (nicht-rechtsstaatlich, ohne Unschuldsvermutung, in Zusammenarbeit lediglich mit der Polizei usw) ohne das eigenen Verhalten und eventuelle Rechtfertigungen auch aus der eigenen Kurve zu reflektieren.

Also, ich finde den Aufruf nicht 'suboptimal'- auch nicht teilweise. Einige Punkte sind zurückhaltend und bleiben problematisch (zB die Polemik gege RB Leipzig). Aber trotzdem bleibt der Aufruf wichtig. Für mich ist er sogar zu lasch. Ein wenig mehr Analyse wäre nicht schlecht gewesen. Auch zur eigenen Gewaltaffinität.

Das Andy, der absolut zurückhaltende, antinationale england-fahnen schwenkende fußballfan mit fanorganisation und antirepressionsarbeit ein problem hat wundert mich schon.
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon jimmyconnors » 29.08.10 15:01

Dass Stadionverbote die Gewalt schüren muss mir mal jemand erklären.
Mir fehlt wohl bei einigen der unterstützenden Gruppen die im Aufruf gelegentlich halbherzig eingeforderte Selbstkritik, deshalb: Keinen Bock auf die Veranstaltung.
ich glaube ich brauche dir nichts erklären was ultra heißt ich gehe schon zum fussball da warst du noch auf der seerose
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Re: Demo und Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur"

Beitragvon NeoGelb_Freund » 30.08.10 10:22

jimmyconnors hat geschrieben:Dass Stadionverbote die Gewalt schüren muss mir mal jemand erklären. Mir fehlt wohl bei einigen der unterstützenden Gruppen die im Aufruf gelegentlich halbherzig eingeforderte Selbstkritik, deshalb: Keinen Bock auf die Veranstaltung.


Warum Stadionverbote Gewalt 'schüren', weiß ich auch nicht. Sie sorgen im Grunde nur dafür, daß Ausschreitungen aus dem Stadion in die Stadt verbannt werden. Und da wartet die Polizei...

Einige der unterstützenden Gruppen finde ich persönlich auch nicht symphatisch. so geht es mir aber auch mit einigen in der 'eigenen' Kurve. Da mir Fankultur aber wichtig ist und ich sie durch die angesprochenen Punkte gefährdet sehe - übrigens BAFF, ProFans, F_in usw ebenfalls - ist mir diese Demo dennoch wichtig! Schade, daß diese Demo / Kampagne bei der TeBe Fansszene offenbar nicht so auf Interesse stößt...
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